Leitfaden Jägerprüfung im Detail

Ausführliche Übersicht über den Weg zum Jagdschein

Jagdschein machen – der Weg zum Jagdschein

In einer kompakten Zusammenfassung erfahren Sie, welcher Erwartung der ausgebildete Jäger gerecht werden soll, wie die Prüfung dazu aussieht und wie der Ausbildungsweg sie optimal auf diese Prüfung vorbereitet. Kosten, Lernaufwand, Zeit und Hilfen zur Wahl der Ausbildungseinrichtung runden diese Zusammenfassung ab.

Übersicht:

1   Einleitung

2   „Fähigkeitsbild Jäger“ – Was muss ein Jäger können?

3   Die Jägerprüfung

4   Der Weg zur soliden Prüfungsvorbereitung

5   Fragen & Antworten

1. Einleitung

Beginnen wir mit dem Ziel und dem Ergebnis: am Ende der Prüfung stehen das Jägerprüfungszeugnis und der Jägerbrief. Mit dem Prüfungszeugnis löst man bei der zuständigen Unteren Jagdbehörde den eigentlichen Jagdschein. Der Jägerbrief kommt aus dem Brauchtum und ist eine schöne Erinnerung an die Ausbildungszeit. Die Vielzahl der zu erlernenden Themen ist in fünf Fachgebieten geordnet.  Die Ausbildung zum Jäger wird durch drei Prüfungen abgeschlossen:

  • Prüfung Ihrer Schießfertigkeiten in drei Disziplinen
  • Schriftliche Prüfung des Fach­wissens in fünf Fachgebieten
  • Mündliche & Praktische Prüfung in fünf Fachgebieten

2. „Fähigkeitsbild Jäger“ – Was muss ein Jäger können?

Oft hilft es, wenn man aus der „Vogelperspektive“ verstehen lernt, welche Ziele und damit welche Anforderungen die Jägerausbildung verfolgt:

Der staatlich geprüfte Jäger muß in der Lage sein, die Natur in einem Revier zur Erhaltung unserer natürlichen Wildumgebung umfassend zu bewirtschaften. Dazu muß man verstehen, wie der Lebensraum für wilde Tiere je nach Art oder Zusammenleben von mehreren Arten in der jeweiligen Region funktioniert. Welche Tiere leben überhaupt in welchen Regionen unter welchen Bedingungen. Welche Voraussetzungen für das Überleben müssen durch Vegetation und Nahrung im Lebensraum geschaffen oder erhalten werden? Aus diesen Fragen leiten sich viele Inhalte ab, die auf der einen Seite den Lebensraum selbst betreffen, z.B. Wald, Wiese, Gebirge, Felder, Pflanzen, Bäume, Sträucher, Gräser. Und auf der anderen Seite steht viel Wissen über die Tiere und deren Anforderungen an den Lebensraum: welche Art ernährt sich wie von Pflanzen und/oder anderen Arten.

Als „Hege und Pflege“ kann man dieses Wissen bezeichnen, denn oft geht es praktisch um Entscheidungen, welche Pflanzen sollten vermehrt für kalte Winter als Nahrung zur Verfügung stehen, welche Bäume bilden einen ausgewogenen Wald, welche Sträucher sind als Deckung für das natürliche Verhalten der Tiere wichtig. Der Mensch hat in vielen Bereichen Effizienz in den Vordergrund gestellt: monotone Pflanzenstrukturen (z.B. der Acker) zu effizienteren Gewinnung von Nahrung aus angebauten Früchten. Gleichförmige Wälder zu effizienteren Holzgewinnung für den Bau. Große gleichartige Wiesen als Weideflächen für die Tierzucht. Die Natur selbst ist aber nicht auf die effiziente Arbeit von Menschen bei Nutzbewirtschaftung ausgelegt, sondern beruht vielmehr auf dem „richtig ausgewogenem“ Mix, der Vielfalt von Pflanzen und Tieren in einer Region, um für alle Lebewesen eine natürlich Balance zu schaffen. In unseren Breitengraden hat der Mensch sich allerdings so stark verbreitet und jede weite Naturlandschaft durch Besiedlung zerstückelt, dass sich das „natürliche Gleichgewicht“ nicht selbstregulierend finden kann. Es gäbe natürlich ein Ergebnis, wenn man schlicht nicht eingreifen würde, aber dieses Ergebnis hätte das Aussterben vieler Arten zur Folge, die in diesem Gefecht um das Überleben auf der Strecke blieben.

Der Staat hat sich daher zum Ziel gesetzt, in diese Geschehnisse einzugreifen, um für die Zukunft die Vielfalt der Arten so gut wie möglich zu erhalten. Da die Besiedlung aber zu Veränderungen der Lebensräume geführt hat und auch schlicht Kultur und Gesellschaft ihren Preis fordern, gehört zur Bewirtschaftung der Flächen für eine möglichst ausgewogene Natur der regulierende Eingriff. Dabei wird in das Verhältnis zwischen jagenden Tieren und Beutetieren eingegriffen, so dass alle Arten überleben. Jede Art hat ihre eigenen Stärken und Schwächen, zu denen der Jäger unterrichtet wird, so dass er die staatlich angeordneten Eingriffe fachkompetent umsetzen kann. Übermäßig stark sich vermehrende Arten werden eingedämmt, so dass der Lebensraum für andere Arten erhalten bleibt.

Dazu wird der Jäger in diesen Zusammenhängen umfassend unterrichtet. Und das „Eingreifen“ umfasst damit auch das Erlegen von Tieren. Dieses Erlegen muss aber so schonend und tierschutzgerecht wie möglich erfolgen; damit ist auch der professionelle und wirksame Umgang mit der Waffe ein wesentlicher Baustein, um Eingriffe verantwortungsvoll auszuführen. Eine zentrale Rolle für den verantwortungsvollen Eingriff trifft dabei auch die Fähigkeit zu entscheiden, welches Tier nun ganz konkret erlegt wird, um bei dieser Entscheidung die Wirkung auf die Population richtig zu entfalten.

Erlegtes Wild ist vielfach für den Verzehr durch Mensch (und Tier) geeignet. Um dieses aber fachgerecht beurteilen zu können, ist sowohl die Kenntnis über Erkrankungen wichtig. Damit kommen also notwendige Kenntnisse im Erkennen von Krankheiten und fachgerechtes Verarbeiten zu Wildprodukten für Küche und Verzehr durch Menschen eine große Bedeutung zu.

Umfasst wird dieser ganze Prozess von einer Vielzahl von Gesetzen zum Schutz von Mensch und Tier und zur Fassung eines Rahmens, in dem diese Bewirtschaftung ausgeführt wird. Daher nimmt das Jagdrecht einen weiteren großen Teil der Ausbildung ein, da alle Themen von der Bepflanzung in der Natur bis zur Verwertung der verantwortungsvoll und sicher mit Waffen erlegten Tiere in vielen Gesetzen, Verordnungen und Vorschriften geregelt sind.

Nicht zuletzt kommt durch das Brauchtum noch der respektvolle Umgang mit dieser Aufgabe dazu, der nicht in Form von Gesetzen, aber in Selbstverpflichtungen weitere Vorgaben regelt.

3. Die Jägerprüfung

3.1 Prüfungsteil A – Schießprüfung

Der Prüfungsteil A „Schießprüfung“ läuft auf drei Prüfungsständen ab:

  1. 100m Rehbock angestrichen
  2. laufender Keiler
  3. Wurfscheiben/Tontaubeb (sog. „Trap“-Disziplin)

3.1.1 Disziplin „100m Rehbock angestrichen“

Die erste Disziplin „100m Rehbock angestrichen“ bezeichnen die stehende Schussabgabe, bei der die Waffe nicht aufgelegt, aber einhändig mit Festhalten an einem senkrechten Stab erfolgt. Damit bildet der eine Arm mit Hand quasi eine Auflage, die man mit der richtigen Körperhaltung und Technik zu so viel Stabilität bringt, dass die Schussabgabe auf die 100 Meter entfernte Zielscheibe ruhig und sicher in das Ziel erfolgt. Auf der Zielschiebe, die einen Rehbock darstellt, sind die Zielringe dargestellt, in der Mitte mit 10 Punkten, nach außen mit Ringen, die immer weniger Punkte bringen. Liegt ein Schuss auf der Grenze zwischen zwei Ringen, wird der höherwertige Ring gewertet. Man hat 5 Schuss, die einzeln geladen werden und muss mit diesen fünf Schuss mindestens 25 Punkte („Ringe“ im Sprachjargon) treffen, um zu bestehen. Die Herausforderung liegt in der ruhigen und präzisen Schussabgabe auf größere Distanz.

3.1.2. Disziplin „laufender Keiler“

Die zweite Disziplin „laufender Keiler“ prüft die Fertigkeiten, ein bewegendes Ziel zu treffen. Dabei ist die Zielscheibe in Form eines Wildschweins (Schwarzwild, Keiler) aufgedruckt, aber für die Prüfung werden keine Punkte gewertet, sondern lediglich, ob der Treffer im Zielscheibenfeld lag oder nicht. Das Schießen selbst erfolgt stehend und freihändig. Man gibt die Scheibe mit einem Wortkommando frei. Die Scheibe ist auf eine Schiene montiert und fährt in vorgegebener Geschwindigkeit und Richtung auf ca. 50 Meter Distanz vorbei. Während dieser kurzen Zeitspanne, muss man das Ziel erfassen und einen Schuss abgeben. Das ganze Prozedere wird fünf Mal ausgeführt, davon müssen mindestens zwei Schüsse im Zielscheibenfeld getroffen haben, um diese Disziplin zu bestehen. Die Herausforderung liegt in der schnellen Zielerfassung eines bewegten Zieles und einer hinreichenden Trefferpräzision auf mittlere Distanz.

3.1.3 Disziplin „Wurfscheiben/Tontauben“

Die Dritte Disziplin „Wurfscheiben/Tontauben“ prüft die Fertigkeit, auf davonfliegende Wurfscheiben zu treffen. Dabei ist der Schützenstand so aufgebaut, dass insgesamt fünf verschiedene Stände mit jeweils einer Wurfeinrichtung eine Scheibe werfen, die sich vom Schützen wegbewegt. Die Flugbahnen sind nicht identisch, so hat jeder Stand eine etwas andere Flugbahn, die sich aber zumindest grob vermuten lässt. Jeder Prüfling gibt auf jedem Stand drei Schüsse ab, also insgesamt 15 Schüsse auf Wurftauben. Die Reichweite der Schrote ist sehr begrenzt für eine gute Wirkung, so dass die Scheibe zerbricht.  Genau genommen können es pro Stand auch zwei Schüsse zum Treffen sein, so dass insgesamt 15-30 Schüsse abgegeben werden. Von den 15 geworfenen Scheiben müssen mindestens fünf getroffen, um diese Prüfung zu bestehen.

3.2 Prüfungsteil B – schriftliche Prüfung

Der zweite Prüfungsteil B „schriftliche Prüfung“ beruht in Niedersachsen auf ca. 2.600 Fragen, die als Multiple Choice-Fragen geprüft werden und auf 5 Fachgebiete mit je ca. 500 Fragen verteilt sind. Jede Prüfungsfrage wird mit einem oder zwei richtigen Kreuzchen beantwortet. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass eine richtige Antwort einen Punkt und zwei richtige Antworten zwei Punkte geben. Vergisst man von zwei richtigen Antworten eine und kreuzt nur die eine richtige an, bekommt man einen Punkt. Kreuzt man hingegen eine richtige und eine falsche Antwort an, bekommt man keinen Punkt. Also bleibt die Devise, nur anzukreuzen, wo man sicher ist, dass es richtig ist.

Dieser Prüfungsteil wird in fünf Fachgebietsprüfungen mit jeweils einem Fragebogen, der 20 Fragen umfasst abgehalten. Pro Prüfung hat man bis zu 30 Minuten Zeit, dann wird der Prüfungsbogen eingesammelt und der nächste ausgeteilt.

Wildbiologie

„Dem Jagdrecht unterliegende und andere frei lebende Tiere“ umfasst als Fachgebiet das Wissen rund um die Tierwelt.

Waffenkunde

„Jagdwaffen und Fanggeräte“ umfasst das Wissen zur Waffentechnik, Geschossen und Munition, Sicherheitsvorschriften und das Wissen über Fangeinrichtungen.

Naturschutz, Hege, Jagdbetrieb

Dieses Fachgebiet umfasst Kenntnisse zu Forst und Fauna, Naturschutz und Reviergestaltung zur Hege, aber auch viele Aspekte der verschiedenen Jagdformen, insbesondere auch der Gesellschaftsjagden und damit verbundener Sicherheitsvorschriften.

Behandlung des erlegten Wildes, Wildkrankheiten, Jagdhundewesen, jagdliches Brauchtum

Dieses Sammelfachgebiet umfasst viele einzelne Gebiete:

Wildhygiene und korrekte Behandlung des erlegten Wildes, Erkennung und Beurteilung von Wildkrankheiten, Ausbildung von Jagdhunden und viele Aspekte des Brauchtums.

Jagdrecht und verwandtes Recht

Jagdgesetze, Naturschutz, Waffengesetze und viele andere Aspekte des Gesetzgebers auf die vielfältigen Bereiche der Jagd werden in diesem Fachgebiet zusammengefasst.

3.3 Prüfungsteil C – mündlich-praktische Prüfung

Der dritte Prüfungsteil C „Mündliche & praktische Prüfung“ ist wie folgt aufgebaut: im Prüfungsrevier werden fünf Prüfungsstände eingerichtet. Je nach Fach ist ein Prüfungsstand konkret im Gelände aufgebaut oder im Gebäude untergebracht. So wird beispielsweise anhand von Präparaten in einem Gebäude der Kenntnisstand in der Wildbiologie in einem Fachgespräch geprüft; ähnlich wird ein Fachgespräch im Jagdrecht in einem anderen Raum als Prüfung geführt. Fachgespräche haben als mehr den Charakter einer mündlichen Prüfung. Andere Fachgebiete sind als Stände im Revier aufgebaut, bei denen im Fachgespräch und in praktischen Übungen überprüft wird, ob das Wissen beim Prüfling vorhanden ist und richtig angewandt wird.  So wird beispielsweise bei der Waffenkunde auch die sichere und vorschriftsgemäße Handhabung geprüft.  Auch eine „Jagdsimulation“, bei der der Prüfling in einer fiktiven Jagdsituation ist und sein korrektes Verhalten beweisen muss, gehört zur praktischen Prüfung.

Wildbiologie

In einem Fachgespräch werden vom Prüfling Präparate erkannt und erläutert.

Waffenkunde

In einem Fachgespräch zu Waffen und Munition werden Kenntnisse geprüft; in praktischen Übungen werden Szenen aus dem Jagdalltag in Hinblick auf den korrekten und sicheren Umgang mit der Waffe überprüft.

Naturschutz, Hege, Jagdbetrieb

Im Wald werden Kenntnisse zu Forst und Fauna geprüft, ggf. weitere Abläufe aus dem Jagdalltag hinterfragt. Besonderer Schwerpunkt liegt auf der Jagdsimulation, bei der der Prüfling in typische Situationen aus Gesellschaftsjagden gebracht wird und den sicheren und korrekten Umfang und korrektes Verhalten zeigt.

Behandlung des erlegten Wildes, Wildkrankheiten, Jagdhundewesen, jagdliches Brauchtum

Hundeausbildung, Präparate und Fachgespräch zu Krankheiten und deren Erkennung.

Jagdrecht und verwandtes Recht

In einem Fachgespräch werden verschiedene Situationen aus rechtlicher Sicht erörtert und ggf. Einzelfragen geprüft.

4. Der Weg zur soliden Prüfungsvorbereitung

4.1 Waidmannssprache / Jägersprache

Am Anfang steht eine Eingewöhnung in die Waidmannssprache. Deutschland ist in diesem Punkt weltweit einzigartig: das Brauchtum hat eine eigene Sprache, die in vielen Bereichen mit eigenen Begriffen exakt jagdrelevante Gegebenheiten beschreibt. Beispiele: Ein „Überläuferkeiler“ beschreibt mit einem Wort ein männliches Stück Schwarzwild (Wildschwein) im Alter zwischen 1 und 2 Jahren. Für den ungeübten Jagdschüler ohne Vorkenntnisse ist eine Phase des Erlernens der Waidmannssprache unumgänglich. Mit dem wachsenden Verständnis der Sprache werden alle dann folgenden Lernbereiche immer verständlicher:

4.2    Vorbereitung für die schriftliche Prüfung

Für die schriftliche Prüfung ist ein zielgerichtetes Lernen mit den Prüfungsbögen hilfreich. Eingangs wird man als Jagdschüler von einer schlichten Vielzahl von Daten und Fakten zu Tieren, Verhaltensregeln und Fachkenntnissen überrollt. Dabei hilft das fleißige Lesen und Üben mit den Prüfungsfragebögen, um zu verstehen, welche Kenntnisse mehr im Vordergrund stehen und welche weniger intensiv geprüft werden. Lernmittel (z.B. Lernkarten, Smartphone-Apps) helfen dabei, diese Prüfungsbögen und das darin abgefragte Wissen besser zu erlernen und zu verstehen. In jedem Fachgebiet formt sich zunehmend ein Grundlagenverständnis, warum und zu welchem Zweck in welchem Zusammenhang das Wissen wichtig ist. Es hilft, sich dabei stets das oben genannte „Fähigkeitsbild Jäger“ vor Augen zu halten und in jedem Bereich zuzuordnen.

4.3    Vorbereitung Schießfertigkeiten

Für die Schießfertigkeiten wird an Schießständen mit Schießtrainern schrittweise ausgebildet und trainiert. Das Motto ist schlicht und einfach: erst Verstehen, was man wie ausführen muss und dann hilft üben, üben und üben. Die ständige Begleitung durch die Schießausbildung von einem Schießtrainer ist unerlässlich, denn die vielen Einzelfaktoren, die zum Erfolg beitragen, lassen sich schlecht in einem Lehrbuch beschreiben: Körperhaltung, Bewegungsablauf, Atmungstechnik und vieles mehr sind nur praktisch erlernbar und das „erfahrene Auge“ sieht die Fehler und hilft bei der Korrektur. Damit ist das Schießtraining regelmäßiger Bestandteil der Jagdschulausbildung, um diese Fähigkeiten zu erwerben.

4.4    Vorbereitung mündliche Prüfung

Der Jagdschulunterricht schafft für alle Fachgebiete die Wissensgrundlage. Mit jedem Fortschritt im Wissensaufbau wächst das Verständnis für den praktischen Zusammenhang und die Einordnung des neuen Wissens.

5. Fragen & Antworten

5.1. Prüfung ist Ländersache – warum Niedersachsen?

Niedersachsen bietet nicht nur für seine eigenen Bewohner und die naheliegenden Nachbarn aus Nordrhein-Westfalen gute Möglichkeiten, sondern steht jedem Interessierten aus dem Bundesgebiet zur Verfügung. Die Prüfungsordnung ist ähnlich zu vielen anderen Bundesländern, bietet aber gute Voraussetzungen für eine gezielte Vorbereitung und wird meist 8-10x pro Jahr von einer Prüfungskommission umgesetzt. Damit kann auch für den unglücklichen Verlauf, bei der ein Prüfungsteil nicht bestanden wird, in kurzer Zeit eine Folgeprüfung besucht werden. Diesen Service bieten viele Länder nicht in dieser Häufigkeit.

5.2. Was kostet „Jäger werden“ und was kostet „Jäger sein“?

Die Ausbildungskosten setzen sich im Kern aus drei Bereichen zusammen:

a) Lehrunterricht

b) Schießunterricht

c) Prüfungsgebühren

Der Lehrunterricht von einem fachkompetenten Ausbilder kostet je nach gewählter Lehrgangsform zwischen 1.000 und ca. 2.000 EUR. Preisrelevant sind dabei die Intensität und der Umfang des Unterrichts und die Gruppengröße. Wer lieber viel Eigenstudium statt Unterricht mag und damit den Geldbeutel schonen möchte, wählt Lehrgänge, die über einen längeren Zeitraum laufen; andersherum kostet der konzentrierte Unterricht ganztägig von einem Profi-Ausbilder schlicht mehr, denn der Ausbilder steht jeden Tag fast 10 Stunden nur im Dienst der Ausbildung. Die Schießkosten umfassen die Standmiete, die Kosten für die Schießlehrer, die Leihgabe der Waffen und die Verbrauchskosten der Munition. Für alles zusammen bezahlt man pro Trainingsbesuch beim Schießstand zwischen 25 und 45 EUR, je nach dem wie viele „Runden“ Munition verschossen wird. Die Prüfung kostet knapp 200 EUR, so dass  die Ausbildungskosten insgesamt mit ca. 10 Schießtrainings bei ca. 1.600 EUR beginnen und nur bei den intensiveren Lehrgängen entsprechend teurer werden.

5.3     Wie viel Zeit braucht man zum Lernen?

Der Unterricht umfasst ca. 80-160h Stunden je nach Lehrgangsform. Für das Lernen zuhause sind mindestens weitere 40-60h notwendig, aber das hängt stark von der persönlichen Lernstärke ab. Wer früher mit der Vorbereitung anfängt, hat in der eigentlichen Ausbildung weniger Leistungsdruck.

5.4     Wie sind Jagdausbilder qualifiziert?

In Deutschland ist die Ausübung der Ausbildung von Jägern ohne jede Beschränkung durch jeden Bürger möglich. Es mag verwirrend wirken, aber es werden tatsächlich keine Bedingungen an die fachliche Qualifikation eines Ausbilders einer Jagdschule gestellt. Entsprechend vielfältig fallen in der Praxis die Kenntnisse der Jagdausbilder aus. Dennoch lassen sich die am Markt tätigen Ausbilder grob in drei Gruppen einteilen:

a) Nicht-Jäger

b) Freizeit-Jäger

c) Professionelle Berufsjäger

„Nicht-Jäger“ sind Ausbilder, meist aus anderen Berufen kommend, die sich im Markt der Jagdschulen mit neben- oder hauptberuflichem Engagement auf einen wachsenden Markt niedergelassen haben.

„Freizeit-Jäger“ sind Personen mit Jagdschein, die mit mehr oder weniger Erfahrung, teils auch ehrenamtlich in Vereinen, sich der Ausbildung von Jagdschülern widmen. Das Spektrum der jagdlichen Erfahrung und die Ausbildungserfahrung ist sehr breit, vom „alten Hasen“, der seine langjährige Freizeiterfahrung teilt bis zum unerfahrenen Jungjäger.

„Professionelle Berufsjäger“ bezeichnet eine andere Gruppe Jäger, die eine staatliche Berufsausbildung von mindestens 3 Jahren, abgelegt haben (sog. Revierjäger) und in Einzelfällen sogar darüberhinaus nach Praxisjahren der Berufsausübung in ihrer Profession auch eine zusätzliche Meisterausbildung von weiteren 1-2 Jahren ausgeführt haben (sog. Revierjagdmeister). Die Revierjagdmeister haben die umfangreichste Ausbildung in Verbindung mit beruflicher Praxis und Meisterbrief, die sie auch zur Berufsausbildung von Berufsjägern ermächtigt. Jagdverbände können weitere Titel verleihen, die das besondere Engagement für die Jagd würdigen. Diese Ernennungstitel bedürfen aber keiner weiteren Ausbildung mit Prüfung (sog. Wildmeister und Revieroberjagdmeister) und sind nicht mit tatsächlichen Berufsbezeichnungen zu verwechseln.

5.5. Wie vergleiche ich Jagdschulen?

Dazu lässt sich kaum ein klarer Leitfaden formulieren, aber hilfreich ist sicher die Sichtung des Lehrgangsangebotes, die Sichtung der Einrichtungen und Orte, an denen ausgebildet und geprüft werden soll und natürlich das Erkunden, wer wirklich ausbildet und mit welcher eigenen Qualifikation zum Jagdschulausbilder. Bewertungen früherer Jagdschüler auf Online-Plattformen helfen zudem und natürlich das Gespräch mit den eigentlichen Ausbildern, um schlicht das eigene Bauchgefühl nicht auszulassen, ob einem die Schule und der Ausbilder zusagen.

Und wie geht es praktisch weiter nach der Jägerprüfung?

Nach der bestandenen Jägerprüfung lösen Sie einen Jagdschein bei der Unteren Jagdbehörde, die für Ihren Wohnsitz zuständig ist. Dazu benötigen Sie ein Paßbild, das Jägerprüfungszeugnis und einen Nachweis über eine bestehende Jagdhaftpflichtversicherung. Es gibt verschiedene Ausführungen, aber meist wird ein 3-Jahres-Jagdschein gelöst. Die Kosten sind je Gemeinde unterschiedlich und liegen grob um die 200 EUR für 3 Jahre. (Gemeint sind hier Jagdjahre, also jeweils vom 01.04. bis zum 31.03. des Folgejahres.)

Wenn Sie Waffen besitzen wollen, müssen Sie zunächst für die ordnungsgemäße Aufbewahrung sorgen, also konkret einen vorschriftsgemäßen Waffenschrank kaufen. Dann können Sie mit dem Jagdschein Jagdlangwaffen kaufen und mit der vorab zu beantragenden Waffenbesitzkarte auch Kurzwaffen. Die Details dazu lernen Sie in der Jägerausbildung.

Die eigentliche Jagd und wie man dazu kommt, können Sie gern in unserer Broschüre „Vom Jägerzeugnis zum aktiven Jungjäger“ nachlesen.

Prüfungsteil Prüfungsinhalt A
Schießprüfung
B
Schriftliche Prüfung
C
Mündliche Prüfung
Disziplin
100m Rehbock
mind. 25 Ringe
aus 5 Schuss
Disziplin
laufender Keiler
mind. 2 Treffer
bei 5 Zielen
Disziplin
Tontaube
mind. 5 Treffer
bei 15 Tauben
Fachgebiet 1
Wildbiologie
20 aus
ca. 500 Fragen
Fachgespräch mit Präparaten
Fachgebiet 2
Waffenkunde
20 aus
ca. 500 Fragen
Fachgespräch
Praktische Prüfung
Fachgebiet 3
Hege & Naturschutz
20 aus
ca. 500 Fragen
Reviergang
Praktische Prüfung
Fachgebiet 4
Jagdhunde, Erlegtes Wild, Brauchtum
20 aus
ca. 500 Fragen
Reviergang
Praktische Prüfung
Fachgebiet 5
Jagdrecht
20 aus
ca. 500 Fragen
Fachgespräch